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Adolf Loos - The Mystery of Acoustics

2025-05-05 21:02

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Adolf Loos - The Mystery of Acoustics

Adolf Loos, Luciano Berio and Wolfgang Sawallisch discuss the acoustic properties of concert halls. These considerations can also be applied to the sound body

Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften
Das Mysterium der Akustik
DAS MYSTERIUM DER AKUSTIK
(1912)


Man hat mich gefragt, ob der Bösendorfersaal erhalten werden solle. Der frager ging wohl von der
voraussetzung aus, daß es eine sache der pietät wäre, einen saal, der in der musikgeschichte Wiens
eine so große rolle gespielt hat, nicht zu demolieren.
Aber diese frage ist nicht eine sache der pietät, sondern eine frage der akustik. Diese frage will ich
nun beantworten. Es war gut, daß ich gefragt wurde, sonst hätte ich die antwort mit ins grab
genommen.
Seit jahrhunderten beschäftigen sich die architekten mit der frage der akustik. Sie wollten sie auf
konstruktivem wege lösen. Sie zeichneten gerade linien vom tongeber nach der decke und meinten,
daß der schall wie eine billardkugel im selben winkel von der bande abspringe und seinen neuen
weg nehme. Aber alle diese konstruktionen sind unsinn.
Denn die akustik eines saales ist nicht eine frage der raumlösung, sondern eine frage des materials.
Einen akustisch schlechten saal kann man durch weiche stoffe, durch vorhänge und
wandbespannungen verbessern. Ja, ein mitten durch den saal gespannter zwirnsfaden kann die
akustik eines raumes völlig verändern und verbessern. Das aber sind surrogate. Denn diese weichen
stoffe saugen den ton auf und nehmen ihm seine fülle. Da wußten die griechen besser bescheid.
Unter den sitzen ihrer theater hatten sie in gleichen abständen kammern angebracht, in denen sich
jeweils ein riesiges metallenes becken befand, das mit trommelfell bespannt war. Sie versuchten,
den ton zu verstärken, nicht, ihn zu schwächen. Und der Bösendorfersaal hat die herrlichste akustik,
ohne alle vorhänge, mit geraden, nackten mauern.
Also gilt es wohl, einen neuen saal zu bauen, mit den genauen abmessungen des alten, um den
anhängern der bisherigen akustiktheorie recht zu geben, und aus demselben material, um mir recht
zu geben? Das resultat: der saal wäre vollständig unakustisch.
Man hat diese versuche schon gemacht. In Manchester wurde der berühmte bremer konzertsaal
genau kopiert, der als der bestakustische weltberühmt ist. Mit negativem erfolge. Aber bisher war
jeder neue saal schlecht akustisch. Manche erinnern sich der eröffnung der wiener hofoper. Man
klagte damals, daß es mit der wiener gesangskunst durch das unakustische haus für immer vorbei
sei. Und heute gilt die oper als das muster eines akustischen theaters.
Haben sich unsere ohren geändert? Nein, das material, aus dem der saal besteht, hat sich geändert.
Das material hat durch vierzig jahre immer gute musik eingesogen und wurde mit den klängen
unserer philharmoniker und den stimmen unserer sänger imprägniert. Das sind mysteriöse
molekularveränderungen, die wir bisher nur am holze der geige beobachten konnten.
Um einen raum akustisch zu machen, muß man also darin musik machen? Nein, das genügt nicht.
Gute musik muß man drinnen machen. Denn die seelen der menschen kann man wohl betrügen,
aber nicht die seele des materials. Säle, in denen man bisher nur blechmusik gespielt hat, bleibenewig unakustisch. Aber, so fein empfindlich ist die seele des materiales: man lasse durch acht tage
eine militärmusik im Bösendorfersaal schmettern, und die berühmte akustik des raumes ist sofort
beim teufel. Wie die geige eines Paganini durch einen stümper sofort ruiniert werden würde.
Überhaupt wird blechmusik vom baumaterial nicht gut ertragen. Daher ist immer die eine seite
eines opernhauses weniger akustisch. Säle, in denen nie blechinstrumente spielen, weisen mit der
zeit die beste akustik auf. Im mörtel des Bösendorfersaales wohnen die töne Liszts und Meschaerts
und zittern und vibrieren bei jedem tone eines neuen pianisten und sängers mit.
Das ist das mysterium der akustik des raumes.

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Adolf Loos war ein österreichischer Architekt, Architekturkritiker und Kulturpublizist. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Architektur.

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Quelle: Wikisource. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
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Ich möchte Sie auch auf den folgenden interessanten Artikel hinweisen (externer Link):

Berio e Sawallisch sull'acustica della Sala Santa Cecilia